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Vorarlberger Schulen: Weihnachten findet nicht statt!


Es hat wie ein Nikolausgeschenk ausgesehen, als die neue Landesschuklrätin einen Gesamtschulversuch in Lustenau angekündigt hatet. Wenn auch nur eine Mickey-Mouse-Partie so doch besser als bislang und die Opposition bedankte sich artig. Mich eingeschlossen.
Immerhin ist Mennel damit ein Coup gelungen. Sie konnte von dem skandalträchtigen Rücktritt ihres Vorgängers Stemer ablenken. Auch von ihrer Vorvorgängerin Elisabeth Gehrer, welche bekanntlich nicht nur das Vorarlberger Schulsystem vermasselt hat und deren Schulpolitik nur der Schüttelreim “Ob es einen Lehrer gibt, der die Lisl Gehrer liebt” erhalten hat.

Nun regt sich aber Widerstand. An verschiedenen sich elitär fühlenden Mittelschulen wurden die Schüler missbräuchlich mit der Propaganda ihrer Direktoren bedient. Ein Flugblatt soll Schüler und Eltern informieren, dass die Gesamtschule Unsinn sei. Gerade jene Schüler und Eltern, die ansonsten an den Schulen nie gehört werden sollen nur für ihre Direktoren springen. Während sonst das Lehrerkollegium zum Sparen bei den Kopien für die Schüler angehalten wird, haben die Direktoren offenbar auch für Schulfremdes andere Möglichkeiten.
Und die Liste der Unterschriften darf man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da stehen das Privatgymnasium Mehrerau und Riedenburg auf der Liste. Mehrerau ist uns ja noch von den Missbrauchsberichten im Ohr. Beide Privatgymnasien verhelfen Kindern betuchter Kreise in ein öffentliches Gymnasium, auch wenn sie es mit ihren Noten in ein öffentliches nicht geschafft hätten. Während man sonst in der 4. Klasse Volksschule beinahe nur Einser braucht, braucht es diese dort nicht.

Und dann herrscht dort gar noch Apartheid. MigrantInnen gibt es in diesen katholischen aber vom Staat unterhaltenen Schulen nicht. Diese werden sich ja auch kaum die Schulgebühren leisten können. Zwar gibt es schon seit 1975 in Österreich gemeinsame Schulen für Burschen und Mädchen, diese öffentlich finanzierten Privatgymnasien brauchen die Koedukation aber nicht zu verwirklichen. Wenigstens zur Rorate (eine Messfeier im Advent) kommen die Burschen und Mädchen in einer Andacht zusammen. Nur in der Kapelle, versteht sich.

Dass diese Privatschulen eine besondere Förderung brauchen, weil die Kinder offenbar nicht die durchschnittlichen Leistungen erbringen können ist amtlich in der Schulbeihilfe geregelt. Während Schüler einer öffentlichen Schule für die Beihilfe einen Notendurchschnitt von 2,9 benötigen, reicht bei der Heimbeihilfe ein Notendurchschnitt von 3,1 als “günstiger Schulerfolg”.

Vom ORF wird als Gegner der Gesamtschule der Direktor des Bundesgymnasiums Dornbirn zitiert. Gerade diese Schule versteht sich als Eliteort. Dort gibt es noch im Jahre 2012 ein Handyverbot. Da versteht sich, dass Naturwissenschaften und IKT dort stiefmütterlich behandelt werden. Dafür müssen die Eltern dort schon in den ersten zwei Schuljahren jedes Jahr hunderte Euros springen lassen, weil man zwei Jahre hintereinander Schiwochen durchführt. Die Ausrüstungskosten nicht mitgerechnet, und so wenig die MigrantInnen bei der Rorate dabei sind, so wenig beherrschen sie verständlicherweise das Skiing. Wobei die SchülerInnen berichten, dass die Verpflegung mit Speis und Trank für die Lehrpersonen dort erheblich besser sei als für sie. Nun ja, Tourismusförderung will auch bezahlt sein.

Reisen um mehrere hunderte Euros scheinen dort überhaupt das Jahresthema zu sein. Dass es auch Eltern mit knappen Kassen gibt, scheint unbekannt. Die Reisen sind aber im seltensten Falle Sprachreisen sondern einfach Ausflugsfahrten, es sei denn einzelne Lehrpersonen engagieren sich besonders. Die Kinder aus Hohenems beispielsweise müssen schon um halb Sechs aus den Betten, zur Winterzeit noch eine Stunde früher, weil für die Dornbirner Gymnasiasten fängt der Unterricht schon vor acht Uhr an. Ganz gegen jede wissenschaftliche Empirie.

In dem Flugblatt verraten sich die Direktoren (es gibt darunter übrigens nur eine einzige Frau und die kommt aus dem Privatgymnasium Riedenburg!) worum es geht. Es geht darum, dass die soziale Herkunft als Chancenverhinderung weiter bestehen bleiben soll. Sie zitieren gar eine OECD-Studie (PISA 2009 Results: Overcoming Social Background, 160f.), dass in Finnland, dem Bildungsmusterland, die soziale Differenzierung doppelt so hoch wie in Österreich sei. Entweder können sie die Statistik nicht lesen oder sie verstehen kein Englisch. Möglicherweise haben sie nur - was ja in der weiten Welt öfter geschieht - Austria mit Australia verwechselt. Nicht weiter schlimm - odr?

Und überhaupt: In Vorarlbergs Gymnasien kommen grundsätzlich nur Volksschüler mit Einser. Das ist den Drektoren schon zu wenig. Jetzt sollen diese Vorzugsschüler auch noch eine Aufnahmeprüfung machen. Lauter Einser ist dieser elitären Interessensgemeinschaft zu wenig. Da rutscht doch hin und wieder ein Unterschichtkind durch. Das könnte man mit einer Aufnahmsprüfung hintanhalten. Obwohl man in anderen Bundesländern viel großzügiger mit der Aufnahme ist und viel mehr Kinder in die Mittelschulen lässt, wird das handverlesene Vorarlberger Publikum offenbar schlechter pädagogisch betreut. Seit Jahren fallen Vorarlbergs Maturanten östereichweit am häufigsten durch! Auch heuer haben es wieder nur 1675 geschafft. 1O Prozent sind durchgefallen. Das waren alles Schüler, die fast nur mit Einser in das Gymnasium kamen. Was haben die Herren Direktoren in diesen acht Jahren getan? Ist es nicht so, dass sie und nicht die Kinder durchgefallen sind? Und die Schulaufsicht hat dies alles nie bemerkt?

Aber zurück zum Dornbirner Gymnasium. Das hat eine wahrlich elitäre Tradition zu verteidigen: Sowohl der austrofaschistische Landeshauptmann Ernst Winsauer als auch dessen nationalsozialistischer Nachfolger Gauleiter Anton Plankensteiner hatten diese “gute Schule” besucht. Sogar in der gleichen Klasse.
Das verpflichtet.

 

Euer Bernhard

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