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Galileo Galilei - Prozess ohne Ende/Eine Biographie


Albrecht Fölsing hat eine bestechende Biographie des bahnbrechenden Astronomen, des Physikers, Philosophen, Intellektuellen und Schriftstellers aus Florenz geschrieben.

So blieb Galilei, wenn er sich nicht den angedrohten Strafen, von denen der Scheiterhaufen nicht die unwahrscheinlichste gewesen wäre, aussetzen wollte, nichts anderes übrig, als sich das Büßerhemd überstreifen zu lassen, niederzuknien und abzuschwören, wie ihm befohlen worden war:

>Ich, Galileo Galilei, Sohn des verstorbenen Vincenzio Galilei aus Florenz, siebztig Jahre alt, persönlich vor Gericht gestellt und kniend vor Euren Eminenzen, den Hochwürdigsten Kardinälen, Generalinquisitoren gegen Ketzerei in der ganzen christlichen Welt, vor meinen Augen habend die Heiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre, schwöre, daß ich immer geglaubt habe, gegenwärtig glaube und mit dem Beistand Gottes auch in Zukunft alles glauben werde, was die Heilige Katholische Apostolische Römische Kirche für wahr hält, predigt und lehrt. Da ich aber, nachdem mir von diesem Heiligen Offizium gerichtlich befohlen worden war, ich müsse die falsche Meinung, daß die Sonne Mittelpunkt der Welt sei und unbeweglich und die Erde nicht Mittelpunkt der Welt sei und sich bewege, ganz aufgeben; und ich dürfe die genannte falsche Lehre weder behaupten noch verteidigen oder in irgendeiner Weise schriftlich oder mündlich lehren; und weil ich, nachdem mir eröffnet worden war, die genannte Lehre stehe mit der Heiligen Schrift in Widerspruch, ein Buch schrieb und es drucken ließ, in welchem ich diese schon verdammte Lehre erörterte und Gründe von großem Gewicht zu ihren Gunsten vorbringe, ohne irgendeine abschließende Lösung hinzuzufügen, so habe ich mich dadurch diesem Heiligen Offizium der Häresie stark verdächtig gemacht, nämlich für wahr gehalten und geglaubt zu haben, daß die Sonne der Mittelpunkt der Welt und unbeweglich und die Erde nicht Mittelpunkt sei und beweglich.

Da ich wünsche, Euren Eminenzen und jedem katholischen Christen diesen gegen mich zu Recht gefaßten Verdacht zu nehmen, schwöre ich ab, verfluche und verwünsch ich mit aufrichtigem Herzen und ungeheucheltem Glauben besagte Irrtümer und Ketzereien sowie überhaupt jeden anderen Irrtum und jeden der besagten Heiligen Kirche widersprechenden Irrtum und Sektiererglauben. Und ich schwöre, daß ich in Zukunft niemals mehr etwas sagen oder mündlich oder schriftlich behaupten will, woraus man einen ähnlichen Verdacht gegen mich schöpfen könnte, und daß ich, wenn ich irgendeinen Ketzer oder der Ketzerei Verdächtigen antreffen sollte, ihn diesem Heiligen Offizium oder dem Inquisitor und dem Bischof des Ortes, wo ich mich befinde, anzeigen werde. Außerdem schwöre und verspreche ich, alle Bußen zu erfüllen und vollständig zu verrichten, die mir dieses Heilige Offizium auferlegt hat und noch auferlegen wird. Und sollte ich, was Gott verhüten möge, irgendeiner meiner Versprechungen, Beteuerungen und Schwüre zuwiderhandeln, so unterwerfe ich mich allen Strafen und Bußen, welche durch die Heiligen Canones und andere allgemeine und besondere Konstitutionen gegen solche, die sich in solcher Weise vergehen, festgesetzt und verhängt worden sind. So wahr mir Gott helfe und diese seine Heiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre. 

Ich, besagter Galileo Galilei, habe abgeschworen, geschworen und versprochen und mich zu Vorstehendem verpflichtet und zur Beglaubigung dessen eigenhändig die vorliegende Urkunde meiner Abschwörung unterschrieben und sie Wort für Wort gesprochen zu Rom im Kloster der Minerva am heutigen Tage, dem 22. Juni 1633.
Ich, Galileo Galilei, habe wie oben mit eigener Hand abgeschworen.<

Verlag: Serie Piper/ München - Zürich
ISBN 3-492-10537-8


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