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Türen gehen auf 14 / 07.02.2013


Briefe an die Bewohner/innen einer Stadt

Von Gabriele Bösch

Dankbarkeit

Ein „an Sie schreiben“ ist immer auch ein „an mich schreiben“. Was ich sehe, was ich wahrnehme, was ich fühle: was mich bewegt. Ich teile meine Gedanken mit Ihnen.

Und heute möchte ich einmal auch mein Staunen mit Ihnen teilen. Immer öfter werde ich persönlich auf meine Briefe angesprochen, so viele Menschen danken mir herzlich dafür. Manchmal stehe ich dann wohl etwas seltsam neben mir – weil ich nicht weiß, wie ich mit so viel Ehre umgehen soll … Etwas stimmt da nicht, dachte ich. Was ist es?
Ich brauche immer etwas länger, um zu begreifen. Aber jetzt weiß ich es! Wie sage ich Ihnen das? Das ganz Wunderbare an dieser Sache ist, dass Sie sich selbst in meinen Briefen erkennen, da Sie sich berühren lassen. Das Großartige ist, dass Sie, indem Sie mich ehren, sich selbst ehren – und das ist ja eigentlich etwas vom Schwersten überhaupt. Sich selbst ehren. Aber so ist es. Jedes Wort des Dankes von Ihnen an mich ist ein Wort, mit dem Sie sich selbst ehren, mit dem Sie sich selbst zu jener Liebe bekennen, aus der heraus ich versuche, zu schreiben. Das ist wahrhafte Begegnung! Danke!
Und jetzt muss einmal Zeit sein für ein Gedicht. Ich habe es letztes Jahr an mich selbst geschrieben, da ich glaubte, etwas ganz Großes zu verlieren:

als ich dich liebte
sah ich den nachbarn
er setzte rosen
als ich euch liebte
sah ich die nacht
sah ich den tag
an dem die rosen erblühten
als ich mich liebte
sah ich den nachbarn
er schnitt eine rose
und schenkte sie mir

Ich wurde so reich beschenkt in den letzten Wochen, dass ich es kaum fassen kann. Meine ganz persönliche Vision hat sich längst erfüllt: Ich bin tatsächlich eine Emserin geworden. Vision schafft Identität. Das steht auf der Facebook-Seite der Stadt Hohenems. Über wahrhafte Begegnungen gelangen wir zur Verbundenheit. Über die Verbundenheit mit Menschen, mit einem Ort, gelangen wir zur Identität.

Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch (Hölderlin)
Am Samstag kam ich zeitgleich mit Johannes am Visionscafé an. Er hat den Schlüssel, dachte ich, und freute mich über diesen Satz. Er hat den Schlüssel. Wir alle haben den Schlüssel. ´

Einige Visionswirte waren krank, Johannes improvisierte und stellte kurzerhand die Kaffeemaschine zur Selbstbedienung auf den Tresen. Wie schön das aussah mit all den Kuchen, die die Menschen von sich aus mitbrachten! Tischdecken, die Tanja mitbrachte, Clemens Drexel, der Wasser kochte, um abzuwaschen. Pete, der fotografierte. Danke an alle!! Das Café war wieder voll. Es ist längst ein Ort der Begegnung geworden, und das Schöne daran ist, dass es so spartanisch gestaltet ist: Jeder bringt sich ein, so wie er will und wie er kann, und das funktioniert! Danke, Susanne, dass du uns diesen Raum zur Verfügung stellst! Dieser Raum ist für mich Sinnbild.
Ich habe mich auch über jeden Politiker gefreut, der in diese Atmosphäre des Miteinanders eintrat. Danke Karl Dobler, für die Frage, wie es mir geht. Diese Frage war wertschätzend, sie war Anteilnahme. Ja, hier in diesem Café begegnen wir uns als das, was wir in erster Linie sind: Menschen. Menschen mit Herz, Engagement und Ideen. Prompt habe ich alle geduzt. Ich glaube, das könnten wir auch draußen auf die Tür schreiben: Hier werden Sie geduzt! Und auch: Achtung: Hier wirst du berührt! Jeder Politiker/Politikerin, der/die das nächste Mal einen selbstgebackenen Kuchen oder eine Flasche Wein mitbringt, wird umarmt :-) Und wenn wir dann noch sehen, dass sie nicht nur repräsentieren, sondern wie wir ihre Visionen an die hintere Wand zur Küche heften, werden sie zu unserer Achtung auch unsere Freude ernten.
Denn: Bin ich in erster Linie ein Bürgerbewegender oder ein Emser? Bin ich in erster Linie ein Emsiger oder ein Emser? Bin ich in erster Linie ein Fpöler oder ein Emser? Bin ich in erster Linie ein Grüner oder ein Emser? Bin ich in erster Linie ein Övpler oder ein Emser? Bin ich in erster Linie ein Spöler oder ein Emser? (Parteien alphabetisch geordnet)
Ich glaube, diese Frage ist doch eindeutig zu beantworten. Das heißt, in diesem Stadtentwicklungsprozess sind wir in erster Linie alle Emser und Emserinnen. Und das ist gut so. Die Identität mit Hohenems und seinen Menschen wiegt schwerer, als die Identität mit einer Partei!
In dieser meiner vielzitierten Broschüre (http://tinyurl.com/c8p4n92) wurde an einer Stelle auch die Frage aufgeworfen, wie man Menschen „in die Stadt“ kriegt. Es wird dort eindeutig festgehalten, dass man in erster Linie die eigenen Menschen in die Stadt kriegen muss, damit auch andere Menschen, Besucher kommen. Einer der schönsten Gründe, in die Stadt zu kommen, ist doch derjenige, sich zu treffen, um die Stadt mitzugestalten. Und plötzlich gibt es einen Ort in der Marktstrasse, der belebt ist, der lebendig ist.
Und dann, am 16.2. wird es einen Ort geben, in der Frohen Aussicht, an dem alle in den letzten 7 Jahren erarbeiteten Konzepte ausgestellt werden. Unsere Verwaltung präsentiert ihre Arbeit. Der „Elferplan“ wird auch aufgelegt sein, eine Vision von 1911! Allen, die das möglich machen, sei auch Dank ausgesprochen: Karin und Angela, die pausenlos arbeiten und organisieren und bewegen, Wolfgang, der unermüdlich Gespräche führt, Bernd, Gudula, Dieter, Sandro und all jenen, die ich hier nicht erwähnen kann, weil ich einfach nicht alle kenne, weil ich nicht um alles weiß – aber ich ahne: DANKE!

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