Nationalratswahl 2017

FPÖ/Stille Machtergreifung III: Das antisemitische Nazi-Symbol der Kornblume

Norbert Hofer: Dritter Präsident des Nationalrates 

Beleg für den Antisemitismus von Burschenschaften und FPÖ ist auch das Tragen der Kornblume bei besonderen Anlässen wie konstituierenden Sitzungen von Nationalrat oder Landtagen. Keine der Behauptungen, mit denen die FPÖ das Tragen dieses belasteten NS-Symbols zu rechtfertigen suchte, hielt einer Überprüfung stand.
Das gilt vor allem für die von Strache immer wieder bemühte literarische Fiktion der "blauen Blume der Romantik", die vom deutschen Schriftsteller Novalis, eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, nie als Kornblume bezeichnet wurde. Allen historischen Erkenntnissen widerspricht auch die Behauptung, die Kornblume sei ein "Symbol der Freiheitsbewegung von 1848". Zuletzt wurde auch die "Europablume" als burschenschaftliche Erfindung enttarnt. Nach dieser unendlichen Vorgeschichte aus Unwahrheiten, Ausreden und Erfindungen war es ausgerechnet Norbert Hofer, der mit der - halben - Wahrheit herausrückte - allerdings in einer Form, die nur historisch Informierten die Einordnung erlaubte.
 

Nachdem der Präsidentschaftskandidat ursprünglich die belegbare Unwahrheit von der "Europablume" nachgeplappert hatte, antwortete er im Wahlkampf auf Journalistenfragen: Die Kornblume sei seit Beginn des 19. Jahrhunderts das "Symbol des Dritten Lagers" und habe "nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun". Der erste Teil dieser Antwort ist zutreffend, der zweite hält einer historischen Überprüfung nicht stand. Für die Parteien des Dritten Lagers, vor allem für die Alldeutschen des rabiaten Antisemiten und Burschenschafters Georg Ritter von Schönerer (Libertas Wien, Ehrenbursch der Gothia Wien und der Innsbrucker Germania), die die Kornblume im Parteilogo trugen, war diese vor allem Symbol ihres im Parteiprogramm festgeschriebenen Judenhasses.
 

Es waren zwei Burschenschafter, die den Antisemitismus umdeuteten und ihm seine schlimmste - im Nationalsozialismus tödliche - Form gaben. Der Ende des 17. Jahrhunderts entstandene Begriff des Antisemitismus hatte sich ursprünglich gegen Menschen jüdischen Glaubens gerichtet. Dieser Feindschaft und der damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen Ausgrenzung konnten Juden durch Assimilation und Übertritt zum christlichen Glauben entkommen.
 

Die Burschenschafter Georg Ritter von Schönerer und Heinrich von Treitschke (Frankonia Bonn) weiteten den Antisemitismus auf die Rasse aus. Vor dieser Definition gab es kein Entrinnen. Sie wurde Grundlage des Holocaust und führte Millionen Jüdinnen und Juden in den Tod. Unter anderem reimte Schönerer: "Ob Jud' ob Christ ist einerlei, in der Rasse liegt die Schweinerei."


Als Erfinder des rassen-Antisemitismus wurde Schönerer zum geistigen Vater von Adolf Hitler, wozu sich dieser in Mein Kampf ausdrücklich bekannte. Schönerer ließ sich als "Führer" anreden und mit "Heil" grüßen. Im Programm seiner Alldeutschen findet sich das "Gebot der Abwehr gegen den Fremdkörper Judentum". Schönerer wollte die deutsche Kunst aus der "Verjudung" befreien, forderte die Entfernung von Juden aus Staatsdienst, Schulen, Universitäten, Vereinen und Zeitungen. Er rief zur "Ausrottung parasitärer Rassen" auf, "wie man Giftschlangen und gefährliche Raubtiere eben ausrotten muss.


1900 verlangten Schönerers Alldeutsche im Wiener Parlament, eine Prämie für jeden "niedergemachten Juden" auszusetzen. Im Parlament formulierte Schönerer Sätze wie diese: "Was von unseren Gegnern als Judenhass bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit Vaterlandsliebe." Oder: "Der Kampf gegen das Judentum ist des Deutschen erste Pflicht."


Die Kornblume von Schönerers Alldeutschen wurde als Symbol des Judenhasses von Studenten am Revers getragen. In der Verbotszeit (1933-1938) war die Kornblume Erkennungszeichen der illegalen Nazis. Sie ersetzte NS-Symbole, deren Tragen unter Strafe stand - wie etwa das Hakenkreuz.


Nicht nur in der Zwischenkriegszeit war die Kornblume Erkennungszeichen illegaler Nazis. Sie ist es bis heute geblieben.


Als Symbol von Schönerers Alldeutschen markiert die Kornblume den Beginn des Weges, der im fabrikmäßig organisierten Massenmord in den Konzentrationslagern des Nationalsozialismus endete. An ihr klebt das Blut von sechs Millionen ermordeten Juden. Das tragen der Kornblume bei offiziellen Anlässen ist eine offene Verhöhnung der Opfer des NS-Terrors. Ein Bundespräsident oder Bundeskanzler, dessen Fotos mit diesem Nazi-Symbol um die Welt gingen, wäre eine Schande für dieses Österreich.
 

Aber nicht die einzige: Dass diese Provokation von Politikern der demokratischen Mitte nicht erkannt wurde und das Tragen der Kornblume sogar bei der Angelobung des Nationalrates möglich war, ist nicht nur eine Blamage, es ist ein Verrat an der österreichischen Verfassung, die dazu verpflichtet, "alle Spuren des Nationalsozialismus" aus der Gesellschaft und Politik zu tilgen. Auszug aus dem Buch "Stille Machtergreifung" von Hans -Henning Scharsach (Seite 36-39)

H. C. Strache: Bundesparteiobmann
Vizebürgermeister von Wien Johann Gudenus
Die Linzer FPÖ-Gemeindefraktion
Zu konstituierenden Sitzungen des österreichischen Nationalrats tragen die Abgeordneten der FPÖ seit 2006 neben der üblichen weiß-roten Schleife die Kornblume.

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