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Betriebsgebiet BBA14: Emser mobilisieren gegen Grass-Bau

   

Anwohner wehren sich gegen 35-Meter-Hochregallager der Firma Grass in Hohen­ems.
Hohenems. (VN-mip) 

Würde man auf der Turmspitze der Kirche St. Karl in Hohenems stehen, und stünde daneben das Hochregallager der Firma Grass, ein Sprung aufs Dach gelänge problemlos.
Das Lager ist nur einen Meter niedriger als der Kirchturm. Dieses Szenario ist natürlich reine Gedankenspielerei. Die Hohenemser Grass-Niederlassung befindet sich erst in der Planungsphase, außerdem wird sie nicht neben der Kirche errichtet. Allerdings neben Anita Symeonidis, Gilbert Storck und weiteren Anrainern. Zu deren Leidwesen.

Seit den 50er-Jahren stehen in der oberen Kanalstraße Häuser, mittlerweile umschlossen von der Landwirtschaftsschule, der Autobahn und Ackerwiesen. Vor wenigen Jahren wurde dieser Teil der Landesgrünzone zu einem 135.000 Quadratmeter großen Betriebsgebiet umgewidmet. Der Beschlägehersteller Grass möchte sich als erstes dort ansiedeln. 43.000 Quadratmeter werden um rund 45 Millionen Euro verbaut, am Ende sollen bis zu 250 Mitarbeiter Arbeit haben. Allein das Hochregallager soll 100 Meter lang und 35 Meter hoch werden.

So hoch wie der Strommast

Am 10. Mai erfolgte die Bauverhandlung. Die meisten Punkte waren in Ordnung, aber die Gebäudehöhe stieß auf Widerstand. Der Amtssachverständige für Baugestaltung äußerte „erhebliche Bedenken im Hinblick auf die Schutzinteressen über Naturschutz und Landschaftsentwicklung“, heißt es im Protokoll. Der Bau dürfe die Landschaftsstrukturen nicht zu sehr verändern. Naturschutzanwältin Katharina Lins schließt sich an. „Das Lager ist eindeutig zu hoch“, sagt sie den VN. Zur Illustration wurden Holzlatten an einen Hochspannungsmast angebracht. Die Latte fürs Hochregallager ist fast ganz oben montiert.

Auch die Autos bereiten den Anwohnern Sorge. Schon jetzt kollabiert der Verkehr bei der Autobahnausfahrt mehrmals täglich. Nun ist von zusätzlichen 430 Lkw pro Woche die Rede, dazu Kleintransporter und Pkw. Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ) beruhigt: „Das Verkehrskonzept steht. Der Kreisverkehr (derzeit beträgt der Durchmesser 45 Meter) wird auf 70 Meter Durchmesser ausgebaut, mit eigener Ausfahrt für das Betriebsgebiet.“ Der Verkehr soll zudem über das Betriebsgebiet auf die Lustenauerstraße geleitet werden, mit einer Brücke ungefähr auf Höhe des Eurospars. Ihm sind die Beschwerden neu: „Wir haben vor einigen Monaten eine Bürgerversammlung abgehalten, da gab es keinen Widerspruch. Auch von den Bauverhandlungen ist mir nichts bekannt.“ Für die Höhe sei aber die Bezirkshauptmannschaft zuständig.

Die Anwohner haben jedenfalls noch nicht aufgegeben. „Wir haben nichts gegen Grass und nichts gegen neue Arbeitsplätze“, betont Storck. Symeonidis fügt an: „Aber das Lager ist einfach viel zu groß. Wir werden uns mit Händen und Füßen dagegen wehren.“
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Der Antrag zur "Umwidmung des Betriebsgebietes BB A14", wurde in der Stadtvertretung vom 8.11.2016, wie folgt beschlossen: 
FPÖ: 16 Stimmen dafür
ÖVP: 12 Stimmen dafür 
SPÖ: 1 Stimme dafür
Emsige und Grüne: 6 Stimmen dagegen
Bürgerbewegung: 1 Stimme dagegen 
 

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