Sommergespräche: Interview mit Vizebürgermeister Bernhard Amann

Persönliches:

  •  61 Jahre, verheiratet
  •  Selbständiger Diplomsozialarbeiter
  •  seit 1995 Stadtvertreter, von 2000 bis 2005 und seit 2010 Stadtrat
  •  seit 2015 Vizebürgermeister sowie Stadtrat für Soziales & Integration

Sie wurden bei der konstituierenden Sitzung erneut zum Stadtrat und erstmals zum Vizebürgermeister gewählt. Wie haben Sie den Wahlkampf erlebt und wie beurteilen Sie das Ergebnis?

Mit dem Wahlergebnis unserer Fraktion bin ich höchst zufrieden. Wir haben sowohl Mandate als auch Stadträte verdoppelt. Das kann sich sehen lassen. Trotz der stattgefundenen Polarisierung wurde unser Engagement der letzten fünf Jahre belohnt.

Welche Reaktion gab es in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld nach der Wahl zur Vizebürgermeister?

Sowohl beruflich als auch privat habe ich ausschließlich positive Feedbacks bekommen. Dass die Fans meines Gegenkandidaten unzufrieden waren, war ja zu erwarten. Deren Untergriffigkeit und Primitivität hat mich nicht überrascht. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt und ich bekomme auch von dieser Seite Gratulationen.

Welche Projekte konnten in den vergangenen fünf Jahren bereits umgesetzt werden?

Weit über 10.000 Kontakte und damit Anliegen von Bürger/innen, die sich ein oder mehrmals in den jeweils wöchentlich überlaufenden Sprechstunden an mich wandten, konnten in den letzten fünf Jahren verzeichnet werden. Dabei stellte sich heraus, dass der Wohnungsmangel und die steigende Armut in Hohenems ein zunehmendes Problem darstellen. Aktuell stehen 441 Wohnungssuchende und Familien auf der Warteliste.
Im vergangenen Jahr wurde das landesweite Pilotprojekt „Im Brühl / Paul Grüninger-Weg“ in Zusammenarbeit mit dem IfS, dem Land und den Wohnbauträgern Vogewosi/Wohnbauselbsthilfe gestartet. Ziel war unter anderem, die Kommunikation untereinander, aber auch die Infrastruktur zu verbessern.

Im Bereich Pflege konnte in Kooperation mit der Gemeinde Lustenau die Service- und Beratungsstelle für Pflege, gemeinsam mit dem Krankenpflegeverein, dem Mobilen Hilfsdienst und der Senecura, erfolgreich etabliert werden. Die Aktion Demenz mit ihren Veranstaltungen hat das Bewusstsein geschärft und die Lebensbedingungen für betroffene Menschen verbessert.

Ein Vorarlberger Vorzeigebeispiel ist das Projekt [zusammen leben]. Entstanden sind u. a. der Integrationsrat, das Begrüßungskomitee, die Arbeitsgruppen Medien, Religion, Wohnen, der Frauenlauf, der Kulturbrunch und der Frauentreff. Zugewanderte und einheimische Bürger/innen arbeiten ehrenamtlich für eine besseres gegenseitiges Verständnis und ein respektvolles Zusammenleben.
Schlussendlich wurden diese Aktivitäten mit den Integrationspreisen des Landes und des Bundeskanzleramts ausgezeichnet. Sämtliche Ausgaben im Integrationsbereich wurden zu 50 % von der EU getragen.

Welche Herausforderungen sehen Sie die nächsten fünf Jahre auf sich zukommen?

Eine Entspannung tritt nur ein, wenn in den kommenden fünf Jahren zumindest 300 neue, gemeinnützige Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Weiters versuche ich, dass eine gemeinsame, gemeindeübergreifende Immobiliengesellschaft mit Dornbirn und Lustenau gegründet wird, welche private Wohnungen an- und weitervermietet. Diese Gesellschaft garantiert den Vermietern die pünktliche Bezahlung der Mieten und die Betreuung der Wohnungen.
Was im gesamten Stadtteil Süd dringend notwendig ist, ist die Errichtung eines Kinder- und Jugendspielplatzes. Die Bewohner/innen haben sich aktiv beteiligt und werden die Aktivitäten ab Juli in Eigenregie „im Brühl“ fortsetzen.

Ab September wird das neue Siedlungsprojekt in der Beethovenstraße/Schubertstraße gestartet und soll in den kommenden Jahren sukzessive auf alle Siedlungen ausgeweitet werden. Was in Hohenems aktuell noch fehlt, ist bezahlbares betreutes Wohnen. Hier ist mit der Verbauung des Areals Miller Aichholz eine ambulante Betreuung für Bürger/innen mit Handicap geplant.
Eine neue Herausforderung ist zudem die Betreuung und Begleitung von Menschen mit legalem Asylstatus. Um eine reale Integration zu erreichen, ist nicht das politische, sondern auch das zivilgesellschaftliche Engagement gefordert. Daher werden wir an die Hohenemser Vereine und religiösen Institutionen herantreten mit dem Ersuchen um Unterstützung.
Mehr als ein Drittel der türkischen Zuwanderer aus der Türkei stammen aus Ayancik am Schwarzen Meer und Umgebung. Dies veranlasste uns Kontakt aufzunehmen mit dem Ziel einer Partnerstadt. In der Folge soll die Stadtvertretung einen Beschluss für partnerschaftliche Beziehungen fassen.
Neu hinzugekommen ist bei meinen Ressorts der Bürgerservice, welcher bisher schon gute Arbeit geleistet hat. Der Ausbau dieser Abteilung soll zukünftig noch mehr Leistungen für die Bürger/innen beinhalten, ganz im Sinne einer modernen und bürgernahen Verwaltung. Dazu soll eine moderierte zentrale Anlaufstelle für alle Bürger/innen und vor allem Hilfsbedürftige geschaffen werden.

Was soll nach diesen fünf Jahren von Ihrer Politik übrig bleiben?

Eine inklusive Vorgehensweise als alltägliche Praxis, bei der Bürger/innen, Verwaltung und Politik gemeinsam die Zukunft gestalten. Ausreichend und menschenwürdige Wohnungen für alle Hohenemser/innen. Die Weiterentwicklung einer Sozialpolitik, welche die Selbstverantwortlichkeit des Menschen Ernst nimmt und jenen Schutz und Beistand gewährt, die das möchten.

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